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Reisetagebuch Nepal – Auf den Spuren eines Sherpa

Von Antoine M, am

Langstrecken-Wanderer Antoine berichtet uns von seiner Nepalreise, bei welcher er den eindrucksvollen Himalaya sah und Freundschaft mit einem Sherpa schloss, der ihn als treuer Begleiter durch das Annapurna-Gebirge leitete.
Blick auf das Annapurna-Gebirge mit GebetsfahnenBlick auf das Annapurna-Gebirge mit GebetsfahnenBlick auf das Annapurna-Gebirge mit GebetsfahnenBlick auf das Annapurna-Gebirge mit Gebetsfahnen

Die schönsten Geschichten beginnen stets mit der Begegnung zweier Menschen.

Tensing und ich waren von Anfang an auf einer Wellenlänge. Ich erinnere mich noch genau an unser erstes Treffen im Himalayan Café in Kathmandu. Ein paar Tage später befinden wir uns auf der Straße von Pokhara in Richtung Annapurna-Gebirge. Uns erwartet eine 20-tägige Wanderung am Fuße der Giganten, mit einer Premiere auf dem Programm - einem Bergpass mit einer Höhe von 5.416 Metern.

GebetsmühlenGebetsmühlenGebetsmühlenGebetsmühlen

Eine Liebeserklärung an den Himalaya

„Ich weiß nicht, ob ich es bin oder sie, aber sie ist atemberaubend schön.“ Kein Wunder, werden Sie nun denken, sie ist ja noch jung. Knappe 40 Millionen Jahre sagen die Experten der Plattentektonik. Sie sei an jenem Tag geboren, als sich der indische Subkontinent unter das tibetische Hochplateau schob – eine Laune der Natur für die Ewigkeit! 40 Millionen Jahre und sie wächst immer noch – 1 bis 10 Millimeter pro Jahr.  Zweifelsohne ein Zeichen ihrer Überlegenheit. Also laufe ich immer höher, je näher ich ihr komme, desto mehr richtet sie ihre Wirbelsäule auf. Ich bin auf über 4.000 Metern und spüre den Tiefenrausch… unerreichbar!“

Ich fühle mich wie ein Poet. Das müssen die Höhenluft und der Sauerstoffmangel sein, die mir den Kopf verdrehen.

Das Annapurna-GebirgeDas Annapurna-GebirgeDas Annapurna-GebirgeDas Annapurna-Gebirge

Tensing - ein Sherpa, der seinem Namen alle Ehre macht

Es sind bereits zehn Tage vergangen, seitdem wir zu unserer Wanderung aufgebrochen sind und ich habe soeben zum ersten Mal die 4.000 Meter-Marke überschritten – stets den Schritten von Tensing folgend. Wir befinden uns im Annapurna-Gebirge, einer Bergkette an der Grenze zwischen Nepal und Tibet, deren über 8.000 Meter hohe Gipfel majestätisch in den Himmel ragen. Tensing ist der Sherpa, der mich bei diesem Höhenabenteuer begleitet. Seine Eltern gaben ihm diesen Namen zu Ehren von Tensing Norgay, dem ersten Menschen, der im Jahre 1953 in Begleitung von Edmund Hillary den Mount Everest bestieg.

Zwischen jedem Dorf liegen sechs bis acht Stunden Fußmarsch, was uns viel Zeit für Gespräche gibt. Ich habe mich schnell mit Tensing angefreundet. Sein Leben ist faszinierend. Ich dachte stets, der Begriff „Sherpa“ stünde für einen Bergführer im Hochgebirge, aber in Wirklichkeit ist das Volk der Sherpa eine nepalesische Volksgruppe tibetischer Herkunft. Seine Eltern züchten Grunzochsen und bauen Kartoffeln an, doch seit seiner Kindheit träumte Tensing davon, in den Himalaya zu gehen, um als Bergführer mehr Geld zu verdienen. Er hat bereits den Everest bestiegen, und zwar mehr als einmal. Ich fühle mich bei Tensing in guten Händen.

Wanderer begegnen Eseln auf einem Weg im Himalaya-GebirgeWanderer begegnen Eseln auf einem Weg im Himalaya-GebirgeWanderer begegnen Eseln auf einem Weg im Himalaya-GebirgeWanderer begegnen Eseln auf einem Weg im Himalaya-Gebirge

Ein Abend in einer nepalesischen Hinterküche

Nachts schlafen wir bei Einheimischen und da Tensing eine Menge Leute kennt, erleben wir unvergessliche Abende. Ich werde wie ein Prinz empfangen und jeden Abend steht dal baht auf der Speisekarte. Das ist ein traditionelles nepalesisches Gericht aus Linsen, gedünstetem Reis und Gemüsecurry. Davon kann man einfach nicht genug bekommen. Ich verschlinge das Essen förmlich – zum einem, weil ich halb verhungert bin, zum anderen, weil ich es nicht abwarten kann, Carrom zu spielen, sobald wir mit dem Essen fertig sind. Carrom ist eine Art nepalesisches Billiard - eine viereckige Holzscheibe mit Löchern in jeder Ecke. Das Ziel des Spiels ist es, die runden Spielsteine mit den Fingern anzustoßen, um sie in die Löcher gleiten zu lassen. Ich liebe dieses Spiel. Auch wenn ich pausenlos verliere, gebe ich die Hoffnung nicht auf, Tensing einmal zu schlagen. Gegen einen Touristen im Carrom verlieren, darüber würde er nie hinwegkommen...

Das Carrom SpielDas Carrom SpielDas Carrom SpielDas Carrom Spiel

Auf 5.416 Metern – Rekord in Sicht

Hier sind wir, am Ende unseres zehnten Tages. Wir werden die Nacht in einer Hütte auf 4.300 Metern verbringen. Es ist die letzte Nacht vor dem großen Tag. Morgen erfolgt der letzte Aufstieg zum höchsten Punkt unseres Abenteuers: einem Pass auf 5.416 Höhenmetern. Für Tensing ist das ein Kinderspiel, für mich bedeutet es schwindelerregende Höhe. Ich bin ein wenig besorgt, aber Tensing findet stets die richtigen Worte. „Wenn wir auf 5.000 Metern sind, wird deine Sauerstoffzufuhr nur noch bei 50 Prozent liegen. Du musst zwei Mal so langsam laufen wie normalerweise und alles wird gut.“ Tensing hat bunte Gebetsfahnen mitgebracht. Im Glauben der tibetischen Buddhisten verteilt der Wind, der durch die heiligen Gebete auf den Flaggen weht, die Wörter und trägt sie an die Götter heran. So vertrauen wir an jeder Kreuzung unsere Gebete dem Atem des Windes an.

Wanderer im Annapurna-GebirgeWanderer im Annapurna-GebirgeWanderer im Annapurna-GebirgeWanderer im Annapurna-Gebirge

Es ist soweit, wir beginnen den letzten Aufstieg. Ich habe schlecht geschlafen, aber noch spüre ich keine Symptome der Höhenkrankheit. Alles läuft bestens. Seit wir bei 3.000 Metern angekommen sind, haben wir 400 Meter Höhenunterschied pro Tag nicht überschnitten. So hat der Körper Zeit, sich an die dünner werdende Luft zu gewöhnen. Wer zu schnell den Berg erklimmt, erhöht das Risiko. Ein Wanderer, dem wir unterwegs begegnen, muss umkehren. Schwindelanfälle und starke Kopfschmerzen - er hat alle Anzeichen der Höhenkrankheit.

Wir nehmen zunächst einen schmalen Pfad, der sich elegant den Berg hinaufschlängelt, bevor wir auf über 5.000 Metern ein Plateau erreichen. Wir wandern entlang des sanft ansteigenden Weges in Richtung unseres Ziels. Der Sauerstoffmangel macht sich bemerkbar, sodass ich meinen Rhythmus verlangsamen muss.

Wanderer im Angesicht des Annapurna-GebirgesWanderer im Angesicht des Annapurna-GebirgesWanderer im Angesicht des Annapurna-GebirgesWanderer im Angesicht des Annapurna-Gebirges

Am Fuße der Riesen

Endlich haben wir den Gipfel erreicht. Zumindest fühlt es sich so an, auch wenn die umliegenden Berge mehr als 7.000 Meter messen und der berühmte Annapurna 1 von seinem 8.091 Meter hohem Gipfel auf uns herabblickt. Eine Magie, die sich nicht in Worte fassen lässt, umgibt diesen Ort. Wir befinden uns auf mehr als 5.000 Höhenmetern und es fühlt sich an, als wären wir in der Wüste. Eine Wüste aus Felsen, ohne Schnee und Eis, unter einem makellos blauen Himmel. So wie zahlreiche andere Wüsten befindet sich das Himalaya-Gebirge am Wendekreis des Krebses. Auf dieser Höhe sind Niederschläge eine Seltenheit. Hier verbrennt man in der Sonne und erfriert im Schatten. Alles wirkt so feindselig und dennoch fühle ich mich absolut lebendig.

Mit diesem großen Lächeln, das ihn stets umkreist, gibt mir Tensing zu verstehen, dass es Zeit ist weiterzuziehen, wenn wir vor Einbruch der Dunkelheit die nächste Herberge erreichen wollen. Uns erwartet ein langer Abstieg, der uns allmählich der Zivilisation näherbringt. Namaste.

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